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Ski-WM und Weink?nigin in Wien reichen nicht

Post Time:Nov 12,2013Classify:Industry NewsView:283

Johannes Schick. Der langj?hrige CEO der St?lzle Oberglas in K?flach sieht als gebürtiger Deutscher die Steiermark mit ein bisschen Abstand. Er glaubt, dass das Land zu wenig für sein Image in der Europ?ischen Union tut.Der Blick von au?en kann durchaus erhellend sein. St?lzle Oberglas-Chef Johannes Schick lebt zwar seit gut zehn Jahren in der Steiermark, kann und will aber seine deutschen Wurzeln nicht verleugnen. Das sch?rft den Blick für so manches typisch ?sterreichische Problem und dafür, wie ?sterreich sein Bildungssystem und die ?sterreichische Mentalit?t in der Welt gesehen werden.WirtschaftsBlatt: Wo sehen Sie die St?rken des Wirtschaftsstandortes Steiermark?Johannes Schick: Die Steiermark ist von Haus aus ein stark industrialisiertes Land. 25 Prozent der Wirtschaftsleistung kommen von der Kernindustrie, z?hlt man Randbereiche wie Energie dazu, kommen wir hier auf einen industrialisierungsgrad von deutlich mehr als 30 Prozent.Welche Auswirkungen hat das?Eine hohe Wertsch?pfung. Und Wertsch?pfung führt zu Wohlstand. Durch die starke Industrie ist auch die Arbeitslosenquote auf einem ergleichsweise vernünftigen Niveau.Die Industrie hat vor einigen Monaten an dieser Stelle die starke Konzentration auf den Automotive-Bereich beklagt. Wie sehen Sie das?Es hat in den letzten 20 bis 25 Jahren tats?chlich einen starken Fokus auf den Automobilbereich gegeben. Das hat sich zum Glück in den vergangenen Jahren gewandelt. es haben sich Gegengewichte gebildet, nicht zuletzt durch die starke Unterstützung für Forschung und Entwicklung. Dazu kommt eine gescheite F?rderlandschaft − man versucht, eine ordentliche Balance zwischen den einzelnen Branchen zu halten.Wie steht die Steiermark im F&EBereich da?Die Steiermark ist hier führend in Europa. Es gibt starke und gute Universit?ten in Graz und Leoben. Die sind über ?sterreich hinaus anerkannt und arbeiten eng mit der Wirtschaft zusammen.Sie kommen aus Deutschland − gibt es in der Wirtschaft markante Unterschiede zu ?sterreich?In ?sterreich gibt es generell ein Miteinander der Tarifpartner ganz anders als in meiner Heimat. Hier will man unter dem Strich gemeinsam L?sungen finden. Aus Arbeitgebersicht sch?tze ich an ?sterreich auch den flexiblen Kündigungsschutz. Wenn man das wie hier vernünftig handhabt − und das hat nichts mit Hire and Fire zu tun −, erreicht man eine Absicherung der Betriebe und dass es weniger Langzeitarbeitslose gibt. Das ist auch ein wichtiger Faktor dafür, dass ?sterreich im internationalen Vergleich eine niedrige Arbeitslosenquote hat.Kommen wir zu den Schw?chen. Woran hapert es in der Steiermark?Da w?re die Reformpartnerschaft zwischen SP? und ?VP im Land. Sie ist ja grunds?tzlich sehr positiv, aber immer noch zu z?gerlich.Inwiefern?Das Programm ist ins Stocken geraten. Ich habe manchmal den Eindruck, man will immer noch die Provinzfürsten schützen. Das ist überhaupt ein ?sterreichisches Ph?nomen: Man bleibt nicht an den wichtigen Themen dran. Die Disziplin, Projekte von A bis Z durchzuziehen, fehlt in diesem Land. in gewisser Weise ist das ein kultureller Nachteil.Wo gibt es in der Steiermark noch Probleme?bei der Infrastruktur. Eine weitere Schw?che ist, dass wir auf allen Ebenen − sei es in den Gemeinden, in den L?ndern und auch im Bund − über unsere Verh?ltnisse leben.Was k?nnte man an der Infrastruktur verbessern?Zum Beispiel w?ren die Flugverbindungen von und nach Graz ausbaubar. Durch das kleine Angebot sind wir, was das betrifft, in einer echten Randlage. Dann sind da die mangelnden Zugverbindungen. Und auch bei bereits bestehender Infrastruktur ist nicht alles in Ordnung.Was st?rt Sie an der vorhandenen Infrastruktur denn besonders?Die Pack-Autobahn nach Süden ist seit Jahren eine einzige Gro?baustelle. bei uns hier in der Weststeiermark wurde schon vor 30 Jahren viel verschleppt, bei der Verbindung nach Süden wurden wir links liegen gelassen. Ich m?chte nicht in der haut eines Verkehrsministers stecken – der jahrelange Aufschub von Stra?en und Brückensanierungen wird sich bald r?chen. Man vergisst eines: Infrastruktur ist fast so wichtig wie Bildung.Was w?re denn am Standort generell verbesserungsbedürftig?Die Steiermark − und insgesamt ganz ?sterreich – verkauft sich in der EU schlecht. Warum gibt es zum Beispiel nicht einmal im Jahr einen Steiermark-tag bei der EU-kommission? Etwas ?hnliches gab es ja schon einmal. Auf Dauer werden eine Weink?nigin in Wien und eine Ski-WM nicht reichen. Das ist ja ganz nett, ist für die Imagepflege aber zu wenig.Wozu ben?tigt die Steiermark in der EU ein besseres Image?ich sage es einmal so: h?tten wir als Glasindustrie nicht Lobby- Vereinigungen auf nationaler und europ?ischer Ebene, w?ren wir in Europa vielleicht gar nicht mehr da. Gerade die Steiermark mit ihrem hohen Industrieanteil müsste sich in der EU st?rker zu Wort melden, um ihre Interessen zu wahren.Sie haben vorhin Infrastruktur als gleich wichtig wie Bildung bezeichnet. Wie steht es denn um die Bildung in der Steiermark?Bis vor kurzem gab es nicht einmal einen landesweiten Abschluss, wie es die Zentralmatura jetzt darstellt. Die Kriterien waren von Schule zu Schule verschieden, und das ?ffnet einer gewissen Willkür Tür und Tor. Insgesamt muss sich ?sterreich aber bei den weiterführenden Schulen nicht verstecken. Der Mittelschulabschluss, den es in Deutschland gibt, ist ja betrug am Schüler – der hat damit keine Chance auf einen vernünftigen Arbeitsplatz.Wo hebt sich das ?sterreichische Schulsystem noch positiv ab?Das HAK-Modell hat sich sehr bew?hrt. Wir suchen als Industrie in der Steiermark immer wieder HAK-Abg?nger als Lehrlinge.Was k?nnte man am Bildungssystem optimieren?Man müsste die Lehrer besser bezahlen und dadurch motivieren. Als Ausgleich würde ich die Pensionsvergünstigungen bei den Beamten streichen − aber im Gegenzug auch dort die Besoldung erh?hen.Die heimischen Universit?ten st?hnen wegen der vielen deutschen Studierenden, die nach ?sterreich ausweichen. Wie sehen Sie diese Problematik?Ich halte nichts von der Kritik an den deutschen Studenten. In Wahrheit st?rkt das den Wettbewerb der Universit?ten.Was k?nnte man bei der Lehrlingsausbildung besser machen?Da wurden zuletzt F?rderungen gestrichen. Das ist paradox: Auf der einen Seite streicht man Mittel, auf der anderen Seite beklagt man sich dauernd über das Bildungssystem.Die Lehrer beklagen sich ebenfalls über die Situation an vielen Schulen.Das ist ein Grundproblem der gesamten Gesellschaft. Wir sind alle überlastet, und da sind Eltern oder eben Lehrer nicht ausgenommen. Im Grunde lassen wir uns mittlerweile alle von Internet und Smartphone den Tagesablauf diktieren. Wenn man das sieht, stellt sich für mich die Frage: wie verbl?det kann man eigentlich sein?Wie sehen Sie die zuletzt doch in die Kritik geratene Reformpartnerschaft in der steirischen Landespolitik?im Grunde ist es gro?artig, dass dieses Projekt in Angriff genommen wurde. es ist ein Modell für ?sterreich, weil es zeigt, dass eine echte Zusammenarbeit der Parteien m?glich ist. ich gebe aber zu, dass im Heterogenen Umfeld einer Partei einem solchen Modell mehr Knüppel in den Weg gelegt werden, als das in der Wirtschaft der Fall w?re.Kommen wir zu einem ganz anderen Thema: In ?sterreich werden seitens der Wirtschaft immer wieder die hohen Lohnkosten kritisiert. Ist diese Kritik berechtigt?Gemessen an internationalen Mitbewerbern sind unsere Lohnkosten tats?chlich konkurrenzlos hoch. Trotzdem glaube ich, dass wir uns nicht dafür sch?men sollten, in ?sterreich hohe L?hne zu bezahlen. Das Problem sind ohnehin viel mehr die hohen Lohnnebenkosten.Was k?nnte man in diesem Bereich ?ndern?Einen nicht geringen Anteil der Nebenkosten machen Sozialversicherungen aller Art aus. Wir müssen uns in einer sozialen Marktwirtschaft natürlich um Absicherung bemühen, aber zu viel davon wird halt schwierig. Und es müsste mehr getan werden, um die Leistungsbereitschaft zu erh?hen.Wie k?nnte das konkret umgesetzt werden?Man müsste zum Beispiel gewillt sein, echte Nulllohnrunden zu akzeptieren – selbstverst?ndlich mit einer Abgeltung der Inflation. Dafür sollte es Ergebnisbeteiligungen für die Arbeitnehmer geben, wenn das Unternehmen gut l?uft. Das ist ja keine neue Erfindung, gro?e Unternehmen wie Volkswagen haben das erfolgreich vorgemacht.Die Lohnrunden fallen also zu üppig aus?Sagen wir so: wir haben in ?sterreich einen hohen Lebensstandard. Man müsste vielleicht auch einmal überlegen, wofür man sein Geld eigentlich ausgibt. es muss ja nicht unbedingt immer das neueste Smartphone, das neueste Auto oder der gr??te Flachbildfernseher sein. Und ich bin davon überzeugt, dass die Eigenverantwortung des einzelnen in vielen Bereichen fehlt.Stichwort Korruption: Ist die in ?sterreich für ein entwickeltes Industrieland überproportional stark vorhanden?Das ist unter anderem ein Problem der Politik. Die Glaubwürdigkeit der Politiker ist hierzulande leider beispielhaft schlecht. Dazu tragen natürlich auch Vorg?nge bei wie gerade in K?rnten. Der Fall Kulterer, der sich jetzt aus medizinischen Gründen um Haftaufschub bemüht, ist fatal. Wie kommt das bei den Leuten an? Es rechnet doch niemand mehr damit, dass er seine Strafe auch tats?chlich absitzen muss.Ist ?sterreich in Ihren Augen also wirklich Teil des sprichw?rtlichen Balkans mit all seinen Begleiterscheinungen?Nein. ?sterreich hat sogar unglaublich viele Vorteile durch den Stil, den dieses Land und seine bürger haben. Das „A bissel was geht immer“ ist geradezu ein Markenzeichen der ?sterreicher und des Landes geworden – durchaus im positiven Sinn.Was ist dann so schlimm am Fall Kulterer und ?hnlichem?F?lle wie dieser sind einfach schade, weil sie das ?sterreichische Prinzip in die falsche Richtung übertreiben. Besser w?re es, die durchaus positive Tugend des Kompromisses vernünftig einzusetzen. 28.10.2013, St?lzle-Oberglas Gmbh

Source: http://www.glassglobal.com/news/ski_wm_und_weinkoenigin_in_wien_reichen_nicht-23144.htmlAuthor:

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